Arbeitskreis Funktionaloptometrie
Die Funktionaloptometrie - was ist das?
Fast 90% aller Sinnesein- drücke erleben wir durch das Sehen.

Hierbei ist zu bedenken, dass das Sehen ein sehr komplexer und komplizierter Vorgang ist, über den man nicht einfach von Geburt an verfügt.
Der Mensch muss die einzelnen Sehfunktionen im Laufe vieler Entwicklungsstufen Schritt für Schritt erlernen.

Es ist allgemein bekannt, dass ein Mensch nicht immer rechtsichtig sein muss -er kann kurz- oder übersichtig (im Volksmund: weitsichtig) sein und vielleicht noch eine Hornhautverkrümmung haben. Diese Fehlsichtigkeiten werden mit Brillen oder Kontaktlinsen korrigiert und stellen meist keine weiteren Schwierigkeiten dar.

Weniger bekannt ist die Tatsache, dass die meisten visuellen Probleme ihre Ursache in einer unzureichenden Koordinationsfähigkeit der beiden Augen haben. So gut die Einzel- augen für sich auch funktionieren mögen - wenn sie kein gutes Team bilden, lassen visuelle Wahrnehmungsstörungen meist nicht lange auf sich warten.

Und wie immer liegt der Teufel im Detail: bei fast allen Reihensehtests, die gewissermaßen serienmäßig durchgeführt werden, wird nur die Sehschärfe der Einzelaugen bewertet, funktionelle Störungen der Beidäugigkeit bleiben in der Regel unerkannt und so entsteht häufig der falsche Eindruck, die Sehleistung sei in bester Ordnung.

Um diesen funktionellen Sehstörungen beizukommen, hat sich als Spezialgebiet der Augenoptik die Funktionaloptometrie entwickelt.

In einigen Ländern, wie z.B. in den USA, ist sie seit langem ein fester Bestandteil der universitären Ausbildung. In Deutschland wird die Funktionaloptometrie von den fachwissenschaftlichen Verbänden WVAO und EGO (Europäische Gesellschaft für Optometrie) als Fortbildungs-Kurssystem für Augenoptiker mit Meisterprüfung, staatl. Prüfung oder Fach-hochschulabschluß durchgeführt und mit einem Zertifikat abgeschlossen, das jährlich neu erworben werden muss.

Die Funktionaloptometrie ist also eine Fachwissenschaft, die ihre Bemühungen, Menschen mit visuellen Wahrnehmungsstörungen zu helfen, auf einem hohen Niveau betreibt.




Wie erhalte ich das Qualitäts-Zertifikat Funktionaloptometrie
Der Arbeitskreis Funktionaloptometrie hat die Weichen für die Zukunft gestellt: Um sowohl die Anwender als auch die Klientel in diesem sensiblen Arbeitsbereich möglichst vor Mißbrauch und Fehlentwicklungen zu schützen, wurde eine Fortbildungsstrategie entwickelt, deren Ziel ein von den internationalen Optometrieverbänden EGO und OEP anerkanntes Zertifikat ist.

Voraussetzung für die Erlangung und Beibehaltung dieses Zertifikates sind folgende Richtlinien:

1. Der Teilnehmer muß mindestens eine Meisterprüfung im Augenoptikerhandwerk oder eine adäquate Ausbildung nachweisen.
2. Teilnahme am WVAO-Grundkurs und darauf aufbauenden weiteren fünf Seminaren (Visuelle Analyse -21 Punkte, OEP, Funktionalteste-, LRS, Myopie, General Skills, Amblyopie).
3. Anerkennung des Ehrenkodex
4. Anerkennung der Ablaufkriterien für das Visualtraining: Visuelle Analyse, Individueller Trainingsplan, mind. 10 Übungseinheiten in einem separaten Raum, Dokumentation, Delegation von   
    Übungen nur an geschultes Fachpersonal unter Aufsicht.
5. Anerkennung der Prüfungsrichtlinien:

· der Prüfling reicht im Vorfeld der Prüfung einen eigenen praktischen Fall inkl. Auswertung und Trainingsprogramm schriftlich ein. (Bewertung mit 25%)
  (Wird der Fall von der Kommission als richtig bewertet, so erfolgt eine Zulassung zur Prüfung und Rechnung mit Prüfungsgebühr!).

. Auskunft über die technische Ausstattung der Trainingsräume.

. Am Tag der Prüfung wird eine schriftliche Arbeit mit 20 Fach-Fragen und Multiple Choise Antwort Möglichkeiten vorgegeben.(Bewertung 25%).

. Die mündliche  (praktische) Prüfung besteht aus Fragen und Erklärungen zum eingereichten Trainingsprogramm, evtl. mit Umstellung der Übungen. (Bewertung  
  50%).

· Erteilung des Zertifikates bei Bestehen.
· schriftliche Dokumentation mit Punktezahl, Unterschrift der Prüfer und Lagerung bei der WVAO und EGO.


Prüfungsausschuß: der Prüfungsausschuß besteht aus drei Prüfern; jeweils einem Vertreter der WVAO, der EGO und der Dozenten.

Prüfungsdatum / -ort:  Februar 2012 in Mainz

Teilnehmerzahl: mindestens 5

Für die Beibehaltung des Zertifikates werden Fortbildungsmaßnahmen vorgeschrieben, um das Ausbildungsniveau auf aktuellem Stand zu halten. Die 2-jährliche Fortbildung muss mindestens 36 Punkte (= 36 Std.) betragen, damit das Zertifikat erneuert wird. Die Fortbildungsveranstaltungen müssen von der WVAO und der EGO als solche anerkannt sein.

- Für eine kontinuierliche Fortbildung bestehen Regionalforen, die als Anwendertreffen definiert sind: Jede(r) TeilnehmerIN leistet zum angebotenen Thema einen
  Beitrag – der Erfahrungsaustausch steht im Vordergrund. 3 Punkte

- Landesgruppenvortrag 4 Punkte

- Wochenendseminar 16 Punkte

- Schwerpunkttagung: pro Vortrag 4, max. 16 Punkte

- Kongress: SOE, OEP, WVAO 32 Punkte

 

Auskunft über Ausstattung und geleistete VTs.

 

Wird zwei Jahre keine ausreichende Fortbildung nachgewiesen, so muss für die Wiedererlangung des Zertifikates erneut die Prüfung abgelegt werden.

 



Anhang-Dateien



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